Zinszyklus & Zinseszins: Warum das Zinsniveau über Sieger und Verlierer entscheidet
Ob ein Bauspar-Kombimodell (Tilgungsaussetzungsdarlehen) einem Annuitätendarlehen überlegen ist, hängt maßgeblich vom allgemeinen Marktzinsniveau ab:
Bei Kreditzinsen von 0,8 % bis 1,3 % fiel der Nachteil der ausgesetzten Tilgung beim Bankdarlehen kaum ins Gewicht. Gleichzeitig sicherten sich Darlehensnehmer einen festen Bauspardarlehenszins von ca. 1,5 % für die Folgejahre. In dieser Marktphase war das Kombimodell für viele Kunden eine hervorragende Entscheidung, da es sie heute vor den deutlich gestiegenen Marktzinsen schützt.
Bei Zinsen ab 3,5 % greift beim Annuitätendarlehen der Zinseszinseffekt der Direkttilgung: Jeder getilgte Euro spart ab dem Folgemonat 3,5 % Zinsen. Beim Kombimodell verharrt das Bankdarlehen hingegen 15 Jahre lang ungetilgt auf der vollen Summe. Die Zinskosten in Phase 1 sind derart massiv, dass selbst ein günstiger Bausparzins in Phase 2 diesen Verlust nur selten aufholt.
Der Äpfel-mit-Birnen-Fehler im Beratungsgespräch
In vielen Finanzierungsgesprächen wird das Bauspar-Kombimodell mit einem 10-jährigen Annuitätendarlehen verglichen. Der Berater argumentiert oft: „Beim Annuitätendarlehen wissen Sie nicht, wo die Zinsen nach 10 Jahren stehen – beim Bausparer haben Sie absolute Sicherheit bis zur letzten Rate.“
Diese Gegenüberstellung hinkt methodisch:
- Zinsgarantie bedingt Zinsaufschlag: Eine Zinsgarantie über 20 bis 25 Jahre ist teurer als eine 10-jährige Bindung.
- Die richtige Vergleichsbasis: Um die Zinssicherheit des Kombimodells neutral zu bewerten, muss das Annuitätendarlehen als echtes Volltilgerdarlehen gerechnet werden (z. B. 20 oder 25 Jahre Zinsbindung). Nur wenn beide Modelle am Ende der Laufzeit bei einer Restschuld von exakt 0 € stehen, lässt sich beziffern, welches System die Garantie günstiger bereitstellt.
Die drei Kostentreiber des Bauspar-Kombimodells im Detail
- Zinsverlust durch Tilgungsaussetzung: Beim tilgungsfreien Bankdarlehen (Phase 1) zahlen Sie Monat für Monat Zinsen auf 100 % der ursprünglichen Summe. Beim Annuitätendarlehen sinkt die Zinsbasis ab Monat 1.
- Die Bauspar-Abschlussgebühr: Direkt bei Abschluss werden meist 1,0 % bis 1,6 % der gesamten Bausparsumme fällig. Bei 300.000 € Darlehen sind das 3.000 € bis 4.800 €.
- Der Ratenanstieg in Phase 2: Da Bausparkassen eine zügige Darlehensrückzahlung vorschreiben (oft 5 ‰ bis 8 ‰ Tilgung monatlich), steigt die Monatsrate nach Zuteilung oft deutlich an. Kreditnehmer müssen diese höhere Belastung im Haushaltsbudget tragen können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Weil das Bauspar-Kombimodell eine Zinssicherheit über die gesamte Laufzeit bis zur vollständigen Entschuldung (z. B. 25 Jahre) garantiert. Ein Vergleich mit einem 10-jährigen Annuitätendarlehen wäre unzulässig, da dort eine hohe Restschuld mit unkalkulierbarem Anschlusszinsrisiko verbleibt.
In der Niedrigzinsphase (z. B. 1,0 % Zins) kostete die Aussetzung der Tilgung beim Bankdarlehen kaum Zinsen, während man sich extrem günstige Bausparzinsen für die Zukunft sicherte. Bei aktuellen Zinsen von 3,5 % bis 4,0 % spart die direkte monatliche Tilgung beim Annuitätendarlehen durch den Zinseszinseffekt jedoch enorme Summen, während das Kombimodell auf der vollen Summe verzinst bleibt.
Beim tilgungsfreien Bankdarlehen (Phase 1) schrumpft die Restschuld 10 bis 15 Jahre lang nicht um einen Cent. Bei 3,5 % oder 4,0 % Zinsen zahlen Kreditnehmer über ein Jahrzehnt hinweg Zinsen auf den vollen Ursprungsbetrag. Beim Annuitätendarlehen sinkt die Zinslast hingegen ab dem ersten Monat.